Nachdem ich sehr gerne Biographien lese trifft man
schon auf die Eine oder Andere die sich die Autoren, wenn nicht sogar
die Hauptperson selber besser erspart hätte. Bei diesem Werk jedoch
wurde Nelson Mandela sehr gut beraten sie zu schreiben. Die Geschichte
die erzählt wird ist sehr interessant, da sie von Nelson Mandela
als Person, vom Umbruch der Einstellungen in diesem Jahrhundert und
der Liebe zu Südafrika erzählt. Er erzählt nicht nur
nette Annekdoten sondern auch bedrückende Geschehnisse, die sich
der normale Durschnittsleser kaum vorstellen kann. Etliche kulturelle
und politische Zusammenhänge werden klarer, für den Leser
dem die Geschichte Südafrikas am Herzen liegt. Auch gewinnt man
den Eindruck, die politischen Geschehnisse werden objektiv erzählt
und es sollen "keine Abrechnung mit dem weißen Mann"
sein.
Ein spannender sehr informativer historischer Roman.,
14. Juli 1999
In seinem Roman Morenga beschäftigt sich Uwe
Timm mit der Geschichte der deutschen Kolonisation in Südwestafrika,
dem heutigen Namibia. Die Handlung baut sich auf um den jungen Veterinärmediziener
Gottschalk, der sich 1904 freiwillig meldet, um in Südwestafrika
bei der Niederschlagung eines Aufstandes der schwarzen Bevölkerung
mitzuhelfen. Gottschalk steht hier für den naiven neugierigen Reisenden,
der natürlich keine Ahnung von dem hatte, was ihn im Krieg erwartete.
Er beginnt eine beinahe Freundschaft mit dem jungen Wenstrup, einem
Anarchisten, wie sich im Laufe der Handlung immer deutlicher zeigt.
Wenstrup läuft schließlich über auf die Seite der aufständischen
Hereros und hinterläßt Gottschalk nur eine kleine Broschüre
von Kropotkin (Gegenseitige Hilfe in der Entwicklung). Diese wird nach
und nach zu Gottschalks Bibel. Und während sich die Offiziere und
Kameraden Gottschalks mit Alkohol und Stumpfsinn die Zeit vertreiben,
beginnt dieser die Sprache der Unterjochten zu erlernen und in seinem
Büchlein zu lesen. Allerdings träumt er von einer kleinen
Farm, die er mit seiner Familie bewohnen will und reibt sich beim Träumen
an Kropotkins und Wenstrups Ansichten über Eigentum und Freiheit.
Mit sehr feiner ironischer Feder und durchsetzt von haarsträubenden
Fakten zeichnet Timm ein spannendes und sehr genaues Bild der deutschen
Kolonialherrschaft. Immer wieder werden Gesetzesblätter und Gefechtsberichte
zitiert, ohne allerdings die Spannung der Handlung zu zerstören.
Das gelingt vorwiegend durch die sorgfältige Auswahl des Datenmaterials
und die dahinter erahnbare intensive Recherche des Autors. Die Lektüre
des Romans verschafft schließlich auch Verständnis für
die weitere Entwicklung in Deutschland, die sich damit nicht mehr zufällig
in einem Faschismus entlädt. Konzentrationslager, Rassismus und
Menschenverachtung sind nicht erst nach 1933 mit Deutschland verknüpft.
Morenga ist ein Muß für jeden, der sich intensiver mit der
deutschen Geschichte auseinandersetzen will, bzw. an der Geschichte
des heutigen Naminia interessiert ist
DIE Reisevorbereitung für Namibia, 7. Dezember
2001
Einige Monate, bevor ich im Sommer 2000 ein Praktikum
an einem Windhoeker
Es macht vor Ort einsichtig für die Nöte
der Farmer, aber auch für ihre trotzige
Henno Martins unaufdringliche, aber detailversessene,
fast wissenschaftliche Schilderung des Namib-Exils, seine Ausführungen
über Psyche, Gesundheit und Emotionen beider Flüchtlinge in
dieser Zeit ist nicht allein auf dem heimischen Sofa fesselnd, sondern
öffnet dem empfindsamen Leser auch den Blick für die Härte
dieses Landes und seiner Menschen.
Der Reiz der Kargheit, das Wüstenerlebnis als
Begegnung mit den eigenen Grenzen wird hier verständlich gemacht;
während der Reise gehen dann manche Passagen wieder "in einem
auf", gehen wieder durch den Kopf, nicht selten begleitet von einem
stillen "aha!".
So wie eine Tour durch Namibia braucht die Lektüre
dieses Buches Zeit und Muße - bei aller Episodenhaftigkeit kein
Bändchen für die nette Geschichte zwischendurch. Dazu ist
der Stil doch zu sehr wissenschaftlich genau; kaum ein Detail rund um
die Strapazen des Exils schein nicht erwähnenwert, aber das macht
dieses Buch so ehrlich. Man leidet bei jedem Rückschlag mit und
freut sich über jede glückliche Fügung.
Schade zwar, daß die Rolle der schwarzen Bevölkerung
kaum oder garnicht beleuchtet wird - das liegt bei diesem Bericht aber
auch in der Natur der Sache.
Ich kann "Wenn es Krieg gibt..." jedem
empfehlen, der einen Teil der Psyche Namibias verstehen lernen will,
darüber hinaus jedem Naturliebhaber und Jäger (die Jagdberichte
sind einfach spannend). Für den Liebhaber von Abenteuererzählungen
dann aber wohl doch zu trocken.
Mir hat dieser Bericht einen ungeheuren Respekt eingeflößt;
vor den Flüchtlingen, aber auch, was für Besucher lebensrettend
sein kann, vor der Namib.
Wer einmal einen Roman von Giselher W. Hoffmann gelesen
hat, weiß, dass kein gegenwärtiger Autor so authentisch über
Afrika schreibt wie er. Wie schon "Die Erstgeborenen" habe
ich "Schattenjäger" mit Begeisterung gelesen. Eine kurzweilige,
interessante und gefühlvolle Geschichte, ein kraftvoller Stil und
Figuren, die einen ans Herz wachsen. In ein mitreißendes Abenteuer
verpackt, erfährt man viel über den faszinierenden Vielvölkerstaat
Namibia, seine einzigartige Landschaft und seine wechselvolle Geschichte,
die eng mit der deutschen Kolonialzeit verbunden ist.
Am Grenzfluss zwischen Namibia und Angola, dem Kunene,
begegnet der junge Häuptlingssohn Kondjoura vom Nomadenvolk der
Himba dem Mädchen Tjizire. Sie bringt sein Herz "zum Singen"
und er beschließt, sie als seine Frau "an sein Feuer"
zu holen. Doch Tjizires Vater verehrt längst den Götzen der
neuen Zeit: das Geld. Er will von Kondjoura nicht, wie es die Tradition
vorschreibt, zwanzig Rinder, sondern "Papierrinder" als Brautpreis
für seine Tochter sehen. So verlässt Kondjoura auf der Suche
nach "Papierrindern" seine vertraute Welt. Er begegnet dem
Naturschutzbeauftragten Patrick Hillmann, der sein Leben einschneidend
verändert.
Patrick ist von seinem Vater Arthur unfreiwillig
in die Armee gesteckt und in die Wildnis geschickt worden, weil er seine
Freundin Sarah, die ein Kind von ihm erwartet, um keinen Preis heiraten
soll. Arthur ist ein reicher und skrupelloser Bauunternehmer in der
namibischen Hauptstadt Windhuk, der seine Aufträge durch Bestechung
von der Armee erhält. In die kriminellen Machenschaften verwickelt
ist Louis Engelbrecht, Sarahs Vater.
Die Liebe zwischen Patrick und Sarah ist ebenso in
Gefahr wie die Liebe zwischen Kondjoura und Tjizire.
Der Roman überzeugt durch dramatische Spannung
um kriminelle Machenschaften und politische Fehden, und ist gleichzeitig
eine wunderschöne Liebesgeschichte. Sehr empfehlenswert!
Kennen Sie Laurens' van der Post' Bücher über
Buschmänner?, 6. Oktober 2003
Nein? Dann sollten Sie sie lesen, wenn dieses Volk
Sie interessiert.
Ja? Dann finden Sie in "Die Erstgeborenen"
eine Fortsetzung, allerdings nicht im idealisierten Sinn, sondern so,
wie es die Zeit gebracht hat. Untergang eines alten Volkes oder Wandel,
um mit der neuen Zeit mitzuhalten? Wie die Wirklichkeit so ist, gibt
es darauf nicht nur eine Antwort. Das Buch beschreibt mindestens zwei.
Bemerkenswert ist die Erzählweise. In einem
guten Roman fühlt man sich mitten in der Geschichte drin. In einem
besseren lernt man auch etwas dazu, was man in der Wirklichkeit brauchen
kann, z.B. zum Verständnis des Volkes für den Fall, dass man
es besuchen möchte. Ich durfte diesen Sommer einen Blick auf einen
nördlich der Gwi lebenden Stamm der Buschleute werfen und fühlte
mich verstanden und verstehend.
Dass ein so erfahrener Autor vielschichtig schreibt,
ist weniger verwunderlich. Dass man die Stränge aber klar verfolgen
kann und sich von den Perspektivenwechseln nicht gestört sondern
animiert fühlt, mehr erfahren zu wollen, spricht für besondere
Qualität.
Trauen Sie dem Gefühl, dass auch das wahr ist,
was Sie zwischen den Zeilen lesen und lassen Sie sich in die sehr vielschichtige
und für uns fremde Welt Namibias einführen, Namibia, wie man
es heute erleben kann.
Henning Mankell erzählt in seinem Roman „Die
rote Antilope" die Geschichte eines kleinen schwarzen Jungen, der
Ende des 19. Jahrhunderts von einem, der auf der Suche nach dem Sinn
seiner eigenen Existenz ist, aus seiner afrikanischen Heimat mit nach
Schweden genommen wird. Dies geschieht zwar durchaus auch aus wohlwollenden
Motiven, ist aber auch nicht ganz uneigennützig.
Im Vordergrund des Handlungsverlaufs der Geschichte,
in diesem angenehm zu lesenden Roman, stehen dabei die Empfindungen
des Jungen, der, obwohl er die neue Sprache und einige Gepflogenheiten
des täglichen Miteinanders erlernt, sich niemals heimisch fühlt.
Er wird begafft und vermessen, gezeichnet und vorgeführt. Er soll
sagen wie sein neuer Name lautet und dass er an Gott glaubt. Für
seine Geschichte interessiert sich dagegen niemand. Auch, dass er wie
Jesus übers Wasser laufen will, behält er zunächst für
sich.
Mankell versteht es die Empfindung des absolut Fremden
und die genaue Wahrnehmung des Unbekannten aus der kindlichen Perspektive
des aufgeweckten kleinen afrikanischen Jungen darzustellen. Gerade durch
diese Perspektive wirkt die Geschichte lebendig und authentisch. Der
Junge versucht mit großer Aufmerksamkeit sich in seine neue Umgebung,
in die er sich entführt fühlt, hineinzuversetzen und diese
zu verstehen. Letztlich sind es aber die innere Verbundenheit und die
Sehnsucht nach seiner Heimat, die Erinnerung an seine Eltern und der
Wunsch sich um die „rote Antilope" zu kümmern, die seine.
Vorsicht: Dies ist ein Buch, das Sie so schnell nicht
aus der Hand legen geschweige denn vergessen können! Ich kann mich
meinen Vorrednern nur anschließen und sagen, dass dies eins der
besten Bücher ist, das ich je gelesen habe!
TC Boyle ist hier ein Klassiker gelungen, der vor
schillernden Figuren, liebevollen Details, haarsträubenden Wendungen
und sowohl urkomischen als auch tragischen Geschehnissen nur so wimmelt.
Die Geschichte spielt Ende des 18. Jahrhunderts.
Geschildert werden mehrere parallel laufende Handlungsstränge.
Im Mittelpunkt steht zum einen der junge, dynamische
und furchtlose (wenn auch etwas naive) Engländer Mungo Park, dem
der damals aufkommende Wissensdurst und Forscherdrang aus jeder Pore
quillt und dessen Traum die Erforschung Afrikas, vor allem des Nils
bis zu seiner südlichen Mündung ist.
Die zweite Hauptfigur besteht in Ned Rise, einem
wahren (Über)Lebenskünstler, dessen Leben ein derartiges Auf
und Ab ist, dass er selbst vom „Ned Rise Effekt" spricht:
Wenn's gut läuft, wird bald irgend etwas furchtbar schief laufen!
Und das tut es dann auch...
Die Lebenswege der beiden kreuzen sich schließlich
bei einer Afrikaexpedition.
Dazu kommen unzählige faszinierende Nebencharaktere.
So etwa Mungos Frau, die sowohl mit seiner ständigen Abwesenheit
als auch einem obskuren Verehrer fertig werden muss, desweiteren Mungos
treuer Diener, Freund und Lebensretter Johnson, ein „Wilder",
der sich häufig als der zivilisierteste der gesamten Geschichte
entpuppt, natürlich sein scheinbar unüberwindlicher Todfeind
Dassoud, außerdem Neds große Liebe, das Mädchen Fanny,
und viele weitere. Auch die Nebenfiguren werden oft durch kurze (oder
auch längere) Einwürfe genauer vorgestellt und eingeführt,
so dass die Geschichte unfassbar vielschichtig wird.
Die sprachliche Gestaltung sucht ihresgleichen. Die
Schilderungen sowohl der Metropole London mit ihren stinkenden und schmutzigen
Gassen und unglaublich ärmlichen Lebensbe-dingungen als auch der
afrikanischen Landschaft ist derartig blumig, lebenstrotzend und anschaulich,
dass man sich wirklich in die Szenerie hineinversetzt fühlt. Afrika
erscheint hier alles andere als idyllisch, sondern gefährlich,
wie eine lauernde, ungezähmte Bestie, die nur darauf wartet, den
unbedarften Europäer, der sich der „Wildnis" überlegen
glaubt, zu verschlingen.
Dazu kommt die Sprache der unterschiedlichen Akteure.
TC Boyle lässt z.B. die primitive Sprache der armen Londoner Bevölkerung
voll zum Tragen kommen („Das is'n Kleid aus Wollsateng!")
Im englischen Original dürften diese Feinheiten natürlich
noch deutlicher werden.
Ein übriges tut TC Boyles unfassbar trockener
Humor, mit dem er lakonisch seine irrwitzigen Situationen würzt
(„Die Beduinen nahmen ihn gefangen und pflockten ihn auf einer
Düne fest. Wo er dann starb.")
Die vielen Figuren und ihre Schicksale werden so
eindringlich ausgebreitet, dass das Buch noch lange nachwirkt.
Ein unglaublich fesselndes Werk, das in keiner Sammlung
fehlen sollte!
'Zum Andenken an meinen eigenen verschwundenen Vater',
26. August 2001
Inneren Kontakt mit seinem eigenen Vater aufzunehmen,
war sicher ein großer Antrieb, dieses Buch zu schreiben. Das zentrale
Thema ist der von seinem Vater verlassene und durch diesen Verrat verunsicherte
und aus der Bahn geworfene Sohn. T.C. Boyle, ein hervorragender, unterhaltsamer
Erzähler, der hervorragend Spannung aufbauen kann, betrachtet dieselben
Geschehnisse immer wieder aus den Augen verschiedener Akteure. Die Themen
seiner zu verschiedenen Zeiten handelnden Geschichten sind dieselben.
Die Menschen agieren in verschiedenen Jahrhunderten und es werden nicht
nur die Farbe der Augen, sondern auch Verhaltensweisen und Todesarten
vererbt.
Bei T.C. Boyle wird 'gesoffen, gekifft, gefickt und
gekotzt'. Seine Art der Darstellung ist drastisch und befriedigt unsere
hochschwellige Sensationsgier. Aber in all diesen actionreichen Szenen
spürt man einen Schuss Ironie und das nimmt sogar den schrecklichsten
Katastrophen ihren Schrecken. Man fühlt sich wohl und macht es
sich bequem unter diesen skurilen, extremen Charakteren.
Im Buch scheitert der Versuch Entlastendes für
seinen Vater zu finden. Vater und Sohn treffen sich zwar am Ende der
Welt, näher kommen sie einander aber nicht. Dem Sohn gelingt es
nicht sich von seinem Vater zu lösen. Die Wiederholung des Verrats
bedeutet seinen eigenen Untergang. Ich finde das Ende desillusionierend
und kraftraubend. T.C. Boyle läßt die Vorbestimmung siegen.
Rache und Verweigerung behalten die Oberhand und man kann nur hoffen,
dass das Faktum des geschriebenen
Ein Literaturprofessor beginnt eine Affäre mit
einer seiner Studentinnen, die Sache fliegt auf, er verliert seinen
Job und zieht zu seiner Tochter aufs Land. Später werden Vater
und Tochter überfallen, er wird mit Spiritus übergossen und
erleidet Verbrennungen, sie wird vergewaltigt und schwanger. Soweit
die vordergründige Geschichte. Diese dient als Folie, sie hilft
wesentlich mehr zu transportieren, als nur sich selbst. Das Schicksal
David Luries mag nicht pars pro toto stehen, dennoch erlaubt seine Geschichte,
einen Teil der Geschichte eines Landes zu
Südafrika nach dem Ende der Apartheid. Die alten
Strukturen sind außer Kraft und die neuen haben sich noch nicht
etabliert, kurz und gut, nach diesem massivem gesellschaftlichem Umschwung
ist das Land, und mit ihm die Menschen, auf der Suche. Jeder im Land
wird genötigt sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, selbst wenn
das bedeutet, sein ganzes bisheriges Leben infrage zu stellen. Eben
das geschieht mit David Lurie.
Durch seine private Krise wird er aus seinem gewohnten
Umfeld, dem abgeschlossenen Raum Universität, in die, wenn man
so will, südafrikanische Realität gestoßen. Ein wenig
orientierungslos beginnt er dennoch so gut wie möglich in seiner
Welt weiter zu leben. Doch die Brüche sind greifbar, das Leben
der Tochter passt so ganz und gar nicht zu dem was ihr Vater sich vorstellt.
Schließlich kommt es zur Katastrophe. Es scheit,
als sei alles was vorher geschah lediglich ein Vorspiel zum entscheidenden
Wendepunkt gewesen. Langsam und teilweise schmerzhaft erkennt Lurie,
dass sich die Welt verändert hat. Schließlich trägt
er seine Welt zu Grabe.
Coetzee hat einen Roman einer privaten, wie gesellschaftlichen
Krise und Entwicklung geschrieben, dabei aber nicht vergessen, dass
das Leben nicht im luftleeren stattfindet.
Ein wahrhaftiger Chronist der jüngeren südafrikanischen
geschichte und ein Autor, der es versteht zu erzählen und seinen
Figuren Leben einzuhauchen, obwohl sein Schreibstil oft sparsam und
unterkühlt wirkt. Zu recht also der Nobelpreis für Coetzee
im Jahre 2003, in der Begründung des Akademie heißt es: Coetzee
„porträtiert die Teilhaftigkeit des Menschen an der Vielfalt
des Daseins in oft überrumpelnder Weise". Dem ist kaum etwas
hinzuzufügen.
Coetzee dürfte der hier wohl populärste
südafrikanische Schriftsteller sein. Seinen guten Ruf hat er sich
mit dem hervorragenden Roman „Schande" auch redlich verdient.
„Eiserne Zeit" kommt meiner Meinung nach nicht ganz an die
Qualität seines bekanntesten Romans heran.
Kafkaeskes Werk des Nobelpreisträgers 2003,
7. Januar 2004
Als ich auf dem Buchrücken las: „Man muß
schon auf Kafkas „Prozess"- oder „Schloß"-Parabeln
zurückgehen, um einen Vergleich für diese intensive Darstellung
der existentiellen Situation eines identitätslosen Menschen in
einer fremden Umwelt zu finden.", habe ich an eine Übertreibung
des Kritikers der Frankfurter Rundschau geglaubt. Aber es stimmt. Nicht
nur aufgrund des Namens (K.) der Hauptfigur, sondern insbesondere durch
den sehr charakteristischen Schreibstil drängen sich Vergleiche
mit Kafka auf. Das Buch ist eine Mischung aus dem „Schloß"
oder „Amerika" und Thomas Manns Roman „Der Erwählte".
Zum Teil verändert sich die Welt um Michael K. in Sekunden (beispielsweise
bezeichnet er einen Fremden, der ihm von seinem Kuchen abgibt, innerhalb
Minuten als "seinen Freund"), andererseits vegetiert er über
Monate in einem Erdloch, ohne nennenswerte Nahrung, ohne Kontakte, ohne
erwähnenswerte Beschäftigung.
Nach dem Lesen von Coetzees "Schande" konnte
ich mir noch kein Urteil bilden, ob er den Nobelpreis 2003 verdientermaßen
erhielt (soweit ich überhaupt so anmaßend sein darf, dies
zu beurteilen). Nach "Leben und Zeit des Michael K." bin ich
persönlich sehr wohl der Meinung, daß nach Imre Kertecz zum
zweitenmal hintereinander ein Autor völlig verdient diesen renommierten
Preis erhalten hat. ich werde Coetzee weiterhin lesen.
Erzälerischer Abriß zur Geschichte des
südl. Afrikas., 16. Februar 2000
Einfühlsam, interessant und anschaulich schildert
A. Michener wie der südafrikanische Subkontinent - fast gleichzeitig
- von schwarzen und weißen Einwanderern besiedelt und erobert
wurde. Anhand mehrerer paralleler Handlungsstränge die das Leben
und den Fortgang von einzelnen (Auswander-)Familien beschreiben, die
repräsentativ für die vielschichtige Bevölkerung im südlichen
Afrika stehen, zeichnet der Autor ein Gemälde Südafrikas,
das eine Zeitspanne von ca. 35000 Jahren umfaßt. Der Leser erfährt
auf unterhaltsame Weise die Hintergründe und Zusammenhänge,
die zu den unterschiedlichen gesellschaftlichen und sozialen Verhältnissen,
wie Rassentrennung (Apartheid), Armut, Gewalt aber auch Pioniergeist,
Tatkraft und Gastfreundschaft in Südafrika führten.
Insgesamt ein äußerst lesenswertes und
spannendes Buch - ein Muß für jeden Südafrikareisenden.